Viel Geld in der Kasse – und trotzdem Sorgen um die Zukunft

Rückblick auf die Gemeinderatssitzung vom 17. Juni 2026

Wer nur auf die Zahlen schaut, könnte meinen: Frauenfeld geht es finanziell blendend. Die Rechnung 2025 schliesst erneut deutlich besser ab als budgetiert, die Stadt verfügt weiterhin über ein Nettovermögen und zahlreiche Projekte können vorangetrieben werden. Entsprechend entspannt war auch die Stimmung zu Beginn der Rechnungssitzung vom 17. Juni. Der neue Gemeinderatspräsident Reto Brunschweiler (FDP) verschob den traditionellen Sitzungsbeginn sogar um eine Stunde nach hinten – von 17 auf 18 Uhr.

Doch je länger die Debatte dauerte, desto klarer wurde: Hinter den erfreulichen Zahlen verbergen sich Herausforderungen, die Frauenfeld in den kommenden Jahren stark beschäftigen werden.

Woher kommt das Plus?

Einigkeit herrschte darüber, dass der Rechnungsabschluss erfreulich ausfällt. Uneinig war man sich hingegen bei der Frage, wie nachhaltig dieses Ergebnis ist.

Für die Mitte/EVP-Fraktion stellte Beda Stählin fest, dass der erfreuliche Abschluss insbesondere auf die hohen Steuereinnahmen zurückzuführen sei. Aus Sicht der Fraktion zeige dies, dass eine Steuererhöhung aktuell kein Thema sein dürfe. Gleichzeitig wurde die Auffassung vertreten, dass die Stadt bei Bedarf eher Liegenschaften veräussern sollte, anstatt über höhere Steuern nachzudenken.

Die SP-Fraktion widersprach dieser Sichtweise.

Die Stadt stehe vor Investitionen in historischer Grössenordnung. Das AZP, Casino, Kaserne und weitere Grossprojekte würden die Finanzen in den kommenden Jahren stark beanspruchen. Gleichzeitig drohen sinkende Einnahmen. Die Abschaffung der Liegenschaftensteuer wird Frauenfeld jährlich rund zwei Millionen Franken kosten. Welche Folgen die geplante Abschaffung des Eigenmietwerts haben wird, ist noch nicht abschätzbar.

Gerade deshalb sei es richtig, die heutigen Überschüsse zurückzustellen und für kommende Generationen zu sichern.

Kritisch äusserte sich die SP zudem zum weiterhin tiefen Umsetzungsgrad bei den Investitionen. Viele Projekte würden langsamer vorankommen als geplant. Die Gefahr eines Investitionsstaus bleibe bestehen.

Auch bei Thurplus sieht die SP Handlungsbedarf. Der Ausbau der Solarenergie hinkt den eigenen Zielen weiterhin hinterher. Gleichzeitig fehlen die nötigen Fachkräfte, um die Energiewende schneller voranzutreiben.

Lob fürs Personal – aber auch Kritik

Ein Thema zog sich wie ein roter Faden durch die gesamte Debatte: das Engagement der Mitarbeitenden. Praktisch jede Fraktion bedankte sich ausdrücklich bei den Angestellten der Stadt, von Thurplus und des Alterszentrums Park (AZP).

Gerade beim AZP wurde die positive Entwicklung hervorgehoben. Nachdem in den vergangenen Jahren Defizite von über einer Million Franken zu Buche standen, konnte 2025 wieder ein kleiner Gewinn erzielt werden.

Die SP erinnerte jedoch daran, dass gute Zahlen nie auf Kosten der Mitarbeitenden erreicht werden dürfen. Kritisch beurteilt wurde insbesondere die weiterhin geltende Praxis des Arztzeugnisses ab dem ersten Krankheitstag. Die grossen Herausforderungen bei Langzeitabsenzen würden dadurch nicht gelöst.

«Sorgfältige Freude» beim Stadtpräsidenten

Stadtpräsident Claudio Bernold brachte die Stimmung des Abends wohl am treffendsten auf den Punkt. Er sprach von einer «sorgfältigen Freude».

Zum positiven Ergebnis hätten neben den Steuereinnahmen auch Rückzahlungen aus dem Sozialhilfebereich, Auflösungen von Rückstellungen und weitere Sondereffekte beigetragen. Gleichzeitig warnte Bernold davor, diese Erträge als selbstverständlich anzusehen.

Frauenfeld stehe vor einer Phase mit aussergewöhnlich hohen Investitionen. Heute verfüge die Stadt noch über ein Nettovermögen. Die Finanzplanung zeige jedoch klar, dass mittelfristig eine Nettoverschuldung drohe.

Die zentrale Frage laute deshalb nicht, ob investiert werden soll – sondern wie die Stadt diese Investitionen langfristig finanzieren kann.

Fazit

Die Rechnung 2025 ist ein Erfolg. Darüber bestand im Gemeinderat weitgehend Einigkeit.

Die Diskussion zeigte aber auch: Gute Zahlen allein reichen nicht aus. Frauenfeld muss sich heute auf die Herausforderungen von morgen vorbereiten. Wer die Stadt weiterentwickeln will, muss investieren. Wer investieren will, braucht eine solide Finanzierung. Und wer eine lebenswerte Stadt für alle erhalten will, darf kurzfristige Überschüsse nicht mit langfristiger finanzieller Sicherheit verwechseln.

Parwin Alem Yar

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