Sehr geehrte Stimmbürgerinnen und Stimmbürger

 

Die SP Frauenfeld empfiehlt am 25. November aufgrund der vorgeschlagenen Steuersenkung von 2 % ein Nein zum Budget 2019 der Sekundarschulgemeinde Frauenfeld.

Wir sind der Überzeugung, dass die Schulen künftig mehr finanzielle Mittel brauchen – für kleinere Klassengrössen oder grössere Lektionenpools oder regelmässige und kompetente Unterrichtsassistenzen oder bessere Bedingungen für die Klassenlehrpersonen oder ... kurz: Es braucht mehr Investitionen in die schulische Software – die schulische Hardware in Form von Schulhausbauten ist in Frauenfeld gut unterwegs. Hier unsere Argumente:

 

Schulklassen je länger je heterogener

Neben der Intelligenz hängt die Lernfähigkeit auch von den Kenntnissen der deutschen Sprache ab. In Klassen mit einem hohen Anteil an Kindern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, sind die sprachlichen Unterschiede sehr gross. Ebenso spielt die Lernbereitschaft eine bedeutende Rolle. Schülerinnen und Schüler, die genügend Schlaf haben, sich gesund ernähren, deren Eigeninitiative gefördert und deren mediale Unterhaltung inhaltlich und zeitlich altersgerecht ist, haben gute Voraussetzungen fürs Lernen - solche, die diesbezüglich Pech haben, schlechtere. Dazu kommt die vermehrte Integration von Kindern mit Lernschwierigkeiten in Regelklassen, was zusätzlich für mehr Heterogenität in Schulklassen sorgt.

 

Berechtigte Erwartungen

Mit Recht erwarten Schülerinnen und Schüler, Eltern, Schulaufsicht und die Lehrpersonen selber einen Unterricht, der - wo es Sinn macht - auf die individuellen Bedürfnisse eingeht. Je heterogener eine Klasse ist, desto aufwändiger wird dies und braucht entsprechende Rahmenbedingungen.

 

Grössere Schülerzahlen

Frauenfeld wird mit grosser Wahrscheinlichkeit noch länger boomen. Steigende Schüler-zahlen werden damit einhergehen und entsprechende Investitionen benötigen. Vergleicht man die Schülerzahlen im Jahresbericht der Primarschule 2017 mit den aktuellen, zeichnet sich bereits eine deutliche Akzentuierung ab.

 

Fit für die Berufswelt

Durch Digitalisierung und Automatisierung verändert sich unser Lebens- und Arbeitsumfeld schnell und nachhaltig. Es entstehen neue anspruchsvolle Berufe, die Flexibilität verlangen. Weil Ausbildungen, Weiterbildungen und Umschulungen auf Deutsch erfolgen, sind gute Deutschkenntnisse besonders wichtig. Da besteht bei vielen Kindern und Jugendlichen grosser Handlungsbedarf.

 

Familie und Beruf

Die beruflichen und gesellschaftlichen Veränderungen werden noch vermehrt bedingen, dass eine kinder- und elternfreundliche Stadt, die gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreich bleiben will, nicht darum herumkommen wird, die Tagesschulstrukturen weiter auszubauen.

 

Gute Arbeitsbedingungen

Der Lernerfolg von Schülerinnen und Schüler hat viel mit der Qualität der Lehrpersonen, aber auch mit der Stabilität eines Schulhausteams zu tun. Gute Arbeitsbedingungen erleichtern die Rekrutierung geeigneter Lehrpersonen und erhöhen deren Verweildauer - und dies hängt wiederum mit Investitionen in die schulische „Software“ zusammen.

 

Primarschule stärken

Falls an den Sekundarschulen wirklich kein Handlungsbedarf besteht und die Steuern gesenkt werden könnten, müsste nach unserer Meinung zuerst geschaut werden, wo an den Frauenfelder Primarschulen Handlungsbedarf besteht, denn die Oberstufe profitiert sehr direkt von guten Unterrichtsbedingungen an der Unter- und Mittelstufe.

 

Was bedeutet die Steuersenkung in Franken?

Eine Steuersenkung von zwei Prozentpunkten wirkt sich für den Durchschnittsbürger nur in einer sehr kleinen Senkung der effektiv zu zahlenden Steuern aus. Der jährlich eingesparte Betrag reicht für eine Mittelstandsfamilie kaum, um einmal gemeinsam ins Restaurant essen zu gehen. Für die Sekundarschulgemeinde beträgt jedoch der durch die Steuersenkung verlorene Betrag mindestens 1,6 Mio. Franken. Mit einer solchen Summe liessen sich beispielsweise mehr als 250 zusätzliche Jahreslektionen finanzieren, wobei eine Lektion einem Unterrichtsblock von 45 Minuten während eines ganzen Schuljahres entspricht.

 

Schule plus – für Schulen,  Kindertagesstätten und Vereine

Die Arbeitsgruppe der SP Frauenfeld heisst „Schule plus“, weil für gute Unterrichtsbe-dingungen nicht nur die Schulen zuständig sind. Lernfähigkeit und Lernbereitschaft waren schon immer stark vom Elternhaus geprägt. Nur hatten schlecht betreute Kinder früher den Vorteil, dass sie Langeweile nicht jederzeit mit einem Knopfdruck wegklicken konnten. Auch schlecht betreute Kinder mussten selber aktiv werden und Eigeninitiative entwickeln. Damit lernten sie in einem für Schule und Beruf sehr entscheidenden Bereich dasselbe wie besser betreute Kinder. Weil das heute nicht mehr so ist und die Smartphone- und i-Pad-Betreuung prosperiert, werden gute und bezahlbare familienergänzende Betreuungsangebote für finanzschwache Familien immer wichtiger. Aktive Kinder und Jugendliche erleichtern das Unterrichten auf allen Schulstufen. Mit Fr. 290'000.- unterstützt heute nur die Primarschule zusammen mit der Stadt solche Institutionen. Weil auch die Sekundarschule davon profitiert, besteht auch hier Handlungsbedarf

 

Auch die Frauenfelder Sport- und Kulturvereine fördern Kinder und Jugendliche in ihrer Eigeninitiative und Kreativität und leisten zudem wichtige Integrationsarbeit. Davon profitieren alle Schulstufen. Darum verdienen sie sehr gute Rahmenbedingungen, die sie in ihrer Betreuung von Kindern und Jugendlichen unterstützen. Die Schule als direkte Nutzniesserin muss sich auch hier zusammen mit der Stadt stärker engagieren.

 

Am 25. November gilt es ein Zeichen dafür zu setzen, dass auf allen Schulstufen, bei familienergänzenden Betreuungsangeboten und bei den Rahmenbedingungen für Vereine, die viel zur Aktivierung und Integration von Kindern und Jugendlichen beitragen, Handlungsbedarf besteht. Darum ein Nein zum Budget 2019 der Sekundarschulgemeinde.

26. Okt 2018