Was wäre geschehen, wenn Frau Bundesrätin Sommaruga im Nationalrat den Anwürfen des Weltwoche-Chefredaktors Köppel geantwortet hätte? Offenbar sind manche gestandene PolitikerInnen nicht imstande sich vorzustellen, was dann abgegangen wäre. Herr Köppel sei zugestanden, dass er ein sehr gewiefter und intelligenter Redner und Schnelldenker ist, doch gerade diese Eigenschaften hätten bei Antworten der Bundesrätin zu einem unseligen und vor allem endlosen Hick-Hack mit unterschiedlichen Werkzeugen geführt. Endlos – nutzlos – destruktiv. Was hatte die Bundesrätin für Möglichkeiten, wenn sie mit Anwürfen aus der untersten Schublade persönlich angegriffen wird? Anstand gegen Frechheit, Selbstbeherrschung und Respekt gegen Respektlosigkeit und dreiste Rhetorik. Da kann man nur verlieren, da ist man chancenlos, und die einzige Möglichkeit, dieses unselige Spiel zu beenden, ist hinauszugehen, sich zu entziehen.

Doch was geschieht jetzt? In der versammelten Presse wird über die Mängel der Bundesrätin debattiert und geschrieben, über Fähigkeit und Unfähigkeit der Magistratin, doch wo bleibt das klare Statement: „Herr Köppel, das war ganz klar eine verbale Grenzüberschreitung, in der schweizerischen Politik ein absolutes No-Go, eine verbale und respektlose Attacke auf die Person und überhaupt nicht sachbezogen, von nützlich für die Flüchtlingspolitik keine Spur, weder hilfreich noch klärend, sondern ganz einfach daneben, voll daneben, total daneben. Einmal und nie mehr, Herr Köppel, dieses Spiel muss aufhören, und zwar jetzt, sofort, ohne Wenn und Aber: Stopp, Herr Köppel, Schluss, Herr Köppel, so nicht!“

 

Jürg Hartmann, SP-Frauenfeld

05. Mai 2016