Einfache Anfrage (Art. 45 Geschäftsreglement)

 

" Private Ladestationen für Elektrofahrzeuge"

«Auto-Schweiz» gab kürzlich in einer Medienmittelung folgendes Statement ab: «Auto-Schweiz muss Gas geben, um die Klimaziele für den Strassenverkehr bis 2020 zu erreichen. Um bis dann den CO2-Wert von durchschnittlich 95 Gramm pro Kilometer zu erzielen, ist ein Marktanteil von teilweise oder gänzlich elektrifizierten Fahrzeugen von zehn Prozent bis im Jahr 2020 nötig.» (TZ vom 15.2.2018)

Wenn nun die Vereinigung der offiziellen Automobil-Importeure, in welcher alle grossen und kleinen Hersteller vertreten sind, dies so sieht, ist doch auch das Umdenken von Seite der Hersteller erkennbar. Ich habe mich also gefragt, ob die Werkbetriebe Frauenfeld (WBF) mit der entsprechend nötigen Infrastruktur mithalten können.

Denn wenn jedes zehnte Fahrzeug in wenigen Jahren elektrisch unterwegs sein soll, braucht es dementsprechend Lademöglichkeiten. Elektrofahrzeuge können an normalen 230V Steckdosen aufgeladen werden. Dies benötigt aber relativ viel Zeit, und für Fahrzeuge mit grösseren Reichweiten reicht eine Ladung über Nacht bei weitem nicht für einen vollen Akku. Empfohlen werden Ladestationen, die mindestens 11kw oder 22kw liefern. Beim Renault Zoe sind es «serienmässig» 43kw, und der Supercharger von Tesla liefert sogar bis 135kw. Entsprechend hoch sind die Anschlussströme.

11kw = 16A

22kw = 32A

43kw = 63A

Die Werkbetriebe Installieren bei ihren Hausinstallationen gemäss folgender Minimaltabelle:

Einfamilienhaus = 25 A

Mehrfamilienhaus bis 3 Wohnungen = 40 A

Mehrfamilienhaus 4 bis 9 Wohnungen = 63 A

Mehrfamilienhaus 10 bis 15 Wohnungen = 80 A

Mehrfamilienhaus 16 bis 21 Wohnungen = 100 A

Mehrfamilienhaus 22 bis 30 Wohnungen = 125 A

Für eine Ladestation muss nun ein Wert von 22kw / 32A angenommen werden, da dies im mittleren Bereich liegt (auch wenn ein Supercharger kaum im privaten Rahmen eingebaut wird – eine Ladezeit von wenigen Stunden wird wohl etwa das sein, was die meisten Besitzer eines E-Fahrzeuges einrechnen)

Wenn in der Tiefgarage mit 16 Plätzen nun 2 E-Fahrzeuge angeschlossen werden, wird es für den Wohnbereich bereits kritisch. Ebenso unmöglich ist es in einem Einfamilienhaus, das mit 25A angeschlossen ist, eine 22kw, geschweige denn eine 43kw Ladestation zu installieren.  Die Besitzer der E-Fahrzeuge werden wohl spätestens bei der Installation der Ladestation durch den Installateur auf das Problem aufmerksam.

Sie müssen nun die Anschlussleistung erhöhen, welche baulich vorgenommen werden muss, oder allenfalls ein hausinternes Lastmanagement installieren.

 

Deshalb möchte ich vom Stadtrat wissen:

 

  1. Sind sich die Werkbetriebe dieses Problems bewusst?

 

  1. Ist es von Seiten WBF / Netz überhaupt möglich, die Auslastung für die Elektromobilität bereitzustellen, für die beschriebenen zehn Prozent, aber auch für einen höheren Anteil?

 

  1. Zu welchen Kosten würde eine Erhöhung der Kapazität bei den WBF führen, da diese ja für die Zuleitung bis zum privaten Grund zuständig sind? Und welche Kosten werden auf die Eigentümer abgewälzt?

 

  1. Wie werden potenzielle E-Fahrzeug Käufer in Frauenfeld informiert, damit die Kauflust nicht in einen Frust endet, wenn die Installation ansteht, und somit weitere potenzielle Käufer abgehalten werden?

 

 

 

Frauenfeld, den 18.02.2018

 

 

Pascal Frey

16. Mär 2018